Der Klimawandel trifft Mensch und Natur weltweit in einem Ausmaß, das historisch beispiellos ist. Die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen, besonders in den Entwicklungsländern, sind extrem gefährdet: die Bewohner untergehender Pazifikinseln, Millionen Menschen in den besonders bedrohten Küstenzonen Asiens oder Afrikas, die Armen auf allen Kontinenten, die auf schlechte Böden abgedrängt wurden, an abrutschgefährdeten Hängen oder häufig überschwemmten Flussabschnitten siedeln; die keine Möglichkeit haben, Vorräte anzulegen, und kaum Zugang zu Informationen oder medizinischer Versorgung haben. Diese Menschen müssen gleichzeitig mit Ernteausfällen, unzeitigen Regenperioden, Überschwemmungen, versalzenden Böden kämpfen.
Die Ursachen sind bekannt: Der Zusammenhang zwischen dem Ausstoß von Kohlendioxid, Klimawandel und den genannten Folgen ist heute unbestreitbar und wird mittlerweile von allen Regierungen anerkannt. Anerkannt ist auch die zentrale Rolle der Zivilgesellschaft bei der Prävention weiterer Katastrophen. Und es ist eindeutig, dass der Klimawandel kein rein technologisches Problem ist, sondern vor allem eine Frage der Nord-Süd-Gerechtigkeit. Denn der Klimawandel ist eine Folge des Mangels an Verantwortung und eines Mangels an Gerechtigkeit gegenüber den besonders betroffenen Menschen in Entwicklungsländern, gegenüber nachfolgenden Generationen und gegenüber der Schöpfung. Wir sprechen von nichts Geringerem als einem gigantischen Umverteilungsprozess zugunsten der Industrienationen. Wir verbrauchen mit unserem energieabhängigen Wirtschaftswachstum und ressourcenintensiven Lebensstil die Ressourcen und Lebenschancen armer Bevölkerungsgruppen im Süden. Wir brauchen also Klimagerechtigkeit! Deshalb gehören für "Brot für die Welt" eine zukunftsfähige Klimapolitik und Entwicklungspolitik untrennbar zusammen.
Die Bekämpfung des Klimawandels ist der zentrale Prüfstein für eine solidarische Weltgesellschaft – für eine Weltgesellschaft, die lernen muss, mit den allen Menschen zur Verfügung stehenden Gemeinschaftsgütern verantwortungsbewusst und gerecht umzugehen.
Als Gründungsmitglied der Klima-Allianz in Deutschland setzen wir uns zusammen mit mehr als 70 deutschen Partnern für diese Belange ein. Vor Ort unterstützen wir Partnerorganisationen dabei, in ihren Projekten Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln und den Betroffenen Grundlagenkenntnisse zu vermitteln, wie sie weitere Umweltschäden verringern und so ihre Existenz auch in Zukunft sichern können. Das Spektrum solcher Maßnahmen reicht von der Wiederaufforstung über den Bau von Wasserspeichern bis zur Entwicklung von Saatgut, das den sich verändernden Klimabedingungen angepasst ist.
Um zu mehr Klimagerechtigkeit zu gelangen und die negativen Folgen des Klimawandels einzudämmen, sind aus unserer Sicht drei Strategien notwendig: Erstens müssen Antworten gefunden werden, wie unbeherrschbare Klimaveränderungen vermieden werden können.
Zweitens brauchen wir Strategien, wie die nicht mehr vermeidbaren und bereits jetzt absehbaren Folgen begrenzt und beherrscht werden können. Man könnte dies zusammenfassen als "Das Unbewältigbare vermeiden" und "Das Unvermeidbare bewältigen". Und drittens müssen wir in Politik und Gesellschaft dringend die Diskussion darüber führen, wie wir das Wachstumsmodell der Industrieländer durch zukunftsfähige Produktions- und Konsummuster ablösen können – für uns und die Weltgemeinschaft. Dafür wird die Studie "Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt" einen wichtigen Beitrag leisten. Deshalb sind wir dabei und freuen uns besonders, dass dieses Vorhaben gemeinsam von Entwicklungs- und Umweltorganisationen getragen wird.
Pfarrerin Cornelia Füllkrug Weitzel
Direktorin von Brot für die Welt