Die Studie "Zukunftsfähiges Deutschland" hatte – im Rückblick – eine historische Funktion. Sie konkretisierte, was Nachhaltigkeit für ein Industrieland wie Deutschland bedeuten könnte. Und sie regte an, die auf dem Umweltgipfel in Rio 1992 vereinbarte Agenda umzusetzen – von den Kommunen bis zur Bundesebene – und zu diskutieren, wie Gesellschaft und Politik fit für die Zukunft werden.
Es gelang mit dieser Studie, die Debatte über die Nachhaltigkeit aus der Wissenschaft in die Gesellschaft zu tragen und die Vision einer zukunftsfähigen Entwicklung anschaulich und diskutierbar zu machen – mit dem Konzept des Umweltraums, der Forderung nach Umweltgerechtigkeit, von den Reduktionszielen für den Umweltverbrauch inklusive der nötigen Instrumente; vor allem aber mit ihren Leitbildern, den Skizzen eines anderen Lebens und Wirtschaftens.
Viele Aussagen und Ziele der Studie sind noch gültig. Der BUND bezieht sich in seinem neuen Leitbild an zentraler Stelle darauf. Dennoch brauchen wir eine neue Studie, weil
- wir – ganz einfach – die Daten aktualisieren müssen;
- Wirtschaft, Politik und Kultur immer stärker globalisiert werden und die Frage offen ist, wie eine Politik der Nachhaltigkeit unter den Bedingungen der Globalisierung möglich ist bzw. wie diese Bedingungen zu verändern sind;
- die Bedeutung des Welthandels für das Verhältnis von und die Entwicklung im Norden und Süden gestiegen ist;
- die Zukunftsfähigkeit wieder auf Basis der Fakten und Interessenlagen debattiert werden muss, fernab der beliebigen Nachhaltigkeitsrhetorik, der Versöhnungsromantik von Ökologie, Ökonomie und Sozialem;
- bei aller Begeisterung für win-win-Situationen auch Konfliktfelder benannt werden müssen;
- die Euphorie über Effizienzsteigerungen bei Energie- und Ressourceneinsatz eine Erdung benötigt und wir unseren Lebensstil ändern müssen, um den Verbrauch auf das wirklich notwendige Maß zu senken;
- die Debatte um das Wirtschaftswachstum neu zu führen ist: Ökologische Grenzen (etwa in der Klimapolitik) weisen die Wirtschaft nicht – wie einst vermutet – in ihre Schranken, stattdessen stellen Politik und Wirtschaft den Klimaschutz unter "Wachstumsvorbehalt";
- Wachstumsversprechen keine Arbeit für vier Millionen Arbeitslose schaffen;
- die vor zwölf Jahren hypothetische Annahme "Wenn alle Chinesen so viele Autos hätten wie wir …" sich zu realisieren beginnt;
- Ressourcenknappheit fühlbar und virulent für Sicherheitsfragen geworden ist;
- wir einen neuen Kristallisationspunkt für die Diskussion der Zukunftsfähigkeit brauchen;
- wir Visionen einer weltweiten und Generationen übergreifenden Gerechtigkeit benötigen, um uns auf den Weg zu machen und diesen Weg weiterzugehen.
Deshalb haben der BUND, Brot für die Welt und der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) gemeinsam eine neue Studie "Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt" beim Wuppertal-Institut in Auftrag gegeben.
Wie schon vor zwölf Jahren geht es uns darum, Entwicklungs- und Umweltorganisationen sowie ethisch verpflichtetes Engagement (innerhalb und außerhalb der Kirchen) zusammenzubringen und die beiden zentralen Themen unserer Jahrhunderts – globale Gerechtigkeit und ökologische Verantwortung – in einer Kampagne zu vereinen.


