"Wir leben in einer globalisierten Welt: Finanzwirtschaft und Welthandel sind verflochten, Internet und Medien dringen in die letzen Winkel, Verbrechen und Korruption sind global organisiert und Probleme wie Wasserknappheit, Ernährungskrise und Klimachaos betreffen uns alle.
Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt. Der Titel des Buches benennt programmatisch, um was es geht. Es geht nicht darum, in Deutschland eine ökologische Insel der Seligen zu schaffen. Es geht um Wege der Zukunftsfähigkeit für Deutschland ohne die internationale Dimension zu vergessen.
Ich bin seit langem überzeugt, dass sich der Nord-Süd-Horizont und der Umwelthorizont im politischen Handeln stärker miteinander verbinden müssen als bisher. Dazu braucht es neue Allianzen. Auch der EED ist bei dieser Studie neue Verbindungen eingegangen. Denn der Umgang mit der Schöpfung Gottes, den Menschen und der gesamten Natur ist sowohl im Norden als auch im Süden vor allem eine Frage der Gerechtigkeit. Wenn die Gerechtigkeitsfrage nicht überzeugend beantwortet wird, wird auch die Bewahrung unserer Umwelt nicht gelingen.
Die Medien bombardieren uns täglich mit neuen Schreckensszenarien: Die Erde erwärmt sich, Öl und Gas werden knapp, ebenso die weltweite Gerechtigkeit speziell für die Armen. Wir brauchen sauberes Wasser zum Überleben und eine Erde, die nicht verseucht ist. Niemand zweifelt dies an. Aber wie können wir die von der Menschheit verursachten Treibhausgase auf ein verträgliches Maß reduzieren und gleichzeitig einen angemessenen Lebensstandard für alle in der Welt sichern? Ist es möglich, unseren Wohlstand zu wahren und weniger von den nicht erneuerbaren Ressourcen zu verbrauchen? Wie können wir verhindern, dass sich die Botschafter weltweiten Elends, die Flüchtlingsströme aus Afrika, auf Seelenverkäufern von Booten auf die Reise machen müssen? Was können wir tun, damit die krassen sozialen Unterschiede zwischen reich und arm abgebaut und alle Menschen in Sicherheit leben dürfen?
Welche Leitbilder brauchen wir?
Zukunftsfähig kann nur eine Entwicklung sein, die zukunftsfähig für alle Menschen ist. Zukunftsfähigkeit nur „für uns“ kann es in einer verflochtenen Weltgesellschaft nicht geben. Als Bürgerinnen und Bürger einer der mächtigsten Wirtschaftsnationen der Welt tragen wir Mitverantwortung für die Auswirkungen, die unsere Art zu Leben und zu Wirtschaften für Menschen in anderen Teilen der Welt hat. Es gilt: Keine Ökologie ohne Gerechtigkeit – keine Gerechtigkeit ohne Ökologie
Gemeinsam anders leben, damit alle überleben – so lautet das Gebot der Stunde. Wir müssen auf global verträgliche Konsum- und Produktionsmuster umstellen. Dazu bedarf es auch neuer Leitbilder auf nationaler wie auf globaler Ebene. Als Herausgeber von „Zukunftsfähiges Deutschland“ erfüllt es uns mit Stolz dazu beizutragen, dass befreiende Alternativen für eine ökologische, soziale und faire Wirtschafts- und Lebensweise sich Bahn brechen.
Das Buch entwickelt eindrückliche Leitbilder. Sie sind in prägnanten Begriffen formuliert: Gastrecht für alle in der Weltgesellschaft und Regieren im kosmopolitischen Geist, ökologischer Wohlstand und lebensdienliche Markwirtschaft, Gesellschaft der Teilhabe und neuer Sozialvertrag. Aus verschiedenen wissenschaftlichen Blickwinkeln bilanziert das Buch den Ist-Zustand, benennt Richtungen für einen Kurswechsel und zeigt Wege und Schritte, um Wohlstand neu zu entdecken.
Was ist unser Leitbild als kirchliches Entwicklungswerk?
„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue“. So beginnt der 23. Psalm. Dieser Psalm drückt das Leitbild der Zuversicht aus, die Menschen vor Jahrtausenden daran erinnert hat, dass Gott der Schöpfer dieser Erde ist und sie erhalten will – durch uns. Es gibt Grund zur Zuversicht, wenn wir jetzt tätig werden. Wir können etwas tun: als Verbraucher, als Staatsbürger und auch als kirchlich Engagierte. Der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) wird gemeinsam mit Brot für die Welt die Erfahrungen seiner internationalen Partner in die gesellschaftliche Debatte der Studie einfließen lassen. Er setzt sich dafür ein, dass der notwendige Entscheidungsdruck auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft entsteht, damit unsere Welt eine Chance hat, zukunftsfähig zu werden. Ich wünsche dem Buch viele aktive Leserinnen und Leser, die versuchen, die Ideen weiterzudenken und in der Praxis umzusetzen!
Manche werden denken, das ist eine Utopie. Vielleicht haben sie recht: im Sinne der Sozialutopien, die es in der Vergangenheit in Wendezeiten gegeben hat und die am besten Ernst Bloch in seinem „Prinzip Hoffnung“ beschrieben hat. Wir leben heute in einer Zeit, in der wir den Mut haben müssen, neu und radikal zu denken. Nur wenn wir daran glauben, dass wir die Welt ändern können, können wir sie ändern. Eine andere Welt ist möglich! Dies ist die Botschaft des Evangeliums und daran glaubten auch rationale Denke wie Immanuel Kant und Philosophen wie Ernst Bloch.
Unser Buch ist ein Buch der Hoffnung in die Zukunft."